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Presseschau: Uraufführung der Luther-Kantate zum 500. Reformationsjubiläum

Das war ein bemerkenswertes Ereignis in der Kreuzkirche: Die evangelische Kirchengemeinde feierte ihr 500. Reformationsjubiläum mit einer eigens komponierten Luther-Kantate.

"Denn in Zeiten des Friedens regiert die Musik" lautet der Titel der Kantate, die aus der Feder von Peter Wittrich stammt. Der ist katholisch getauft, hegt aber eine gewisse Bewunderung gegenüber Luther und dessen Wirken. Und genauso bewegt, aufrüttelnd und umstürzlerisch ist auch seine Musikkomposition, die er im Auftrag der Kirchengemeinde komponiert hatte. Nicht seine erste Auftragskomposition, gerne erinnert man sich in Pfaffenhofen an sein "Gartenschau-Panorama". Aber wenn Wittrich im Vorfeld "von einer gewissen Einfachheit" seiner Komposition "aus Rücksicht auf die Laienmusiker und Zuhörer" spricht, dann ist das immer eine Frage der Messlatte. Und die liegt einfach hoch bei Wittrich, und das fordert die Zuhörer ebenso wie die Musiker. Diese aber zeigten sich den Anforderungen gewachsen, allen voran Cellistin Marie-Therese Daubner, eine kongeniale Partnerin zu Wittrichs professionellem Akkordeonspiel. Zunächst aber setzten das Orgeltalent Thomas Kudernatsch (18) und der Posaunenchor (Leitung Peter Greiner) ein Zeichen. Darauf folgte eindrucksvoll der rund 35-köpfige gemischte Chor unter dem Dirigat von Kantor Stefan Daubner, unterstützt von dem Gebläse oben auf der Empore, bevor Pfarrer Jürgen Arlt die Kirchenbesucher begrüßte und mit ihnen Luthers "Morgensegen" betete.

Luthers überlieferte Tischreden, die Bassbariton Raphael Sigling in Martin Luthers Sprachidiom rezitierte und auf die Pfarrer Spanos in seinen Reflexionen Bezug nahm, wurden jeweils musikalisch unterstützt und interpretiert von Cello und Akkordeon. Marie-Therese Daubner an den Saiten und Peter Wittrich an der Tastatur glänzten mit einer herausragenden Virtuosität. Daubner nutzte die gesamten Möglichkeiten ihres klassischen Streichinstruments, teils gestrichen, teils gezupft, stellenweise mit perkussiven Effekten, ergänzt von Wittrichs Akkordeonspiel, das diesem eher volkstümlichen Instrument völlig neue Dimensionen verleiht. Und beide zusammen glänzten im Dialog oder unisono.

Dazwischen aber immer Stoff zum Nachdenken boten die Reflexionen von Pfarrer Spanos. So wandte er sich an Sigling in dessen Rolle als Luther und sprach von dessen Vater als "wahren Zuchtmeister", der ihn geprägt habe. Und Spanos leitete über in die heutige Zeit, wo "Eltern ihre Kinder nicht mehr prügeln". "Wenn's denn so wäre", fügte er hinzu. Dafür aber seien Eltern trickreich, wenn sie sagen: "Du hast mich aber sehr enttäuscht." Das täte manchmal mehr weh als eine "g'scheite Watschn".

Dann aber jubilierte der Chor im Zwiegespräch mit dem Cello bei "Mein guten Werk", bevor es fast "funky" wurde: Daubner und Wittrich im Duett-Intermezzo, rhythmisch, phrasiert, in stetem Wechsel mit abruptem Schluss.

Naturgemäß kam Bassbariton Sigling eine wichtige Rolle zu: Als Luther hatte er nicht nur Sprechtexte im Luther-Deutsch zu bewältigen, sondern diese auch in Verbindung mit Sologesang, den er mit seiner sonoren Stimme ebenso ein- wie ausdrucksvoll bewältigte. Und wieder wandte sich Spanos an Luther: "Du wusstest zu leben." "Iss, was gar ist. Trink, was klar ist. Sprich, was wahr ist" intonierte der Chor a cappella und in Form eines Kanons das Luthersprüchlein, wie überhaupt die Chorlieder sich an Luthers Tondichtungen orientierten.

Aber auch die Orgel kam solistisch zu ihrem Recht: Thomas Kudernatsch hatte das Intermezzo III an Tastatur und Pfeifen zu bewältigen, akzentuiert und mit Feingefühl. Das bewiesen auch Chor, Cello und Akkordeon beim Intermezzo IV, dem "Lutherspruch", eindringlich und mit einem gesummten Ende. Gesummt wurde auch das Intro von "Er sprach zu mir: Halt dich an mich". Das setzte sich fort, einem Basso continuo ähnlich, bis Bariton, Cello und Akkordeon einsetzten und das Stück instrumental ausklang.

Am Ende dann ein furioses Finale der Instrumentalisten, in dem sich die gesamte Kantate noch einmal zu musikalischen Höhen aufschwang, bevor der große Applaus der Zuhörer im Kirchenschiff und auf der Empore strahlende Mienen bei allen Protagonisten auslöste. Das war ein Werk voller Vielfalt, Dramatik, Farbigkeit, mit herausragenden Künstlern, einem engagierten Chor, strahlendem Blech und einem Komponisten, der Ansprüche stellt - nicht zuletzt an sich selbst.

 Donaukurier, Hans Steininger